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Musikalische Komödie - Leipziger Publikumsmagnet mit Existenzängsten

Franziska Höhnl, dpa

  • Die Musikalische Komödie in Leipzig-Lindenau.
    Foto: Andr Kempner
    Die Musikalische Komödie in Leipzig-Lindenau.
Leipzig. Auf der Bühne ist es ganz leicht: Der Seefahrer Edmond Dantès fährt auf die menschenverlassene Insel Monte Christo, hebt einen Schatz und kauft sich, was sein Herz begehrt. Für die Musikalische Komödie Leipzig, welche die Geschichte des „Grafen von Monte Christo“ am Samstag zum ersten Mal in Deutschland als Musical aufführt, ist es hingegen seit Jahren ein Kampf gegen Spar- und Schließungspläne. Dabei ist sie bundesweit etwas ganz Besonderes: Nur in Dresden gibt es mit der Staatsoperette noch ein eigenständiges Operettenhaus.

Einen Geldsegen hat Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) nun nicht angekündigt, doch die Freude im beliebten Musiktheater ist trotzdem groß. Jung sagte vor den Kameras des MDR-Kulturmagazins „artour“ zu, die reine Operetten- und Musical-Bühne nicht mit dem „Theater der Jungen Welt“ zu fusionieren, wie es ein heiß diskutierter und viel kritisierter Sparvorschlag vorgesehen hatte. Stattdessen wolle er einen Vorschlag in den Stadtrat einbringen, der den Betrieb der Spielstätte im Leipziger Westen mit festem Ensemble in den kommenden Jahren absichern soll.

Der Volksmund nennt die Bühne im Leipziger Westen liebevoll „MuKo“. Und diese „MuKo“ ist ein wahrer Publikumsliebling, erreicht mit mehr als 80 Prozent Auslastung seit Jahren einen Zuspruch, von dem Schauspielhaus und Oper in Leipzig nur träumen können: 55 000 Besucher in jeder Spielzeit. Die 529 Plätze des Hauses sind bei den etwa 150 Veranstaltungen regelmäßig ausverkauft. Auch für die Premiere des neuen Stücks „Der Graf von Monte Christo“ gibt es schon lange keine Karten mehr.



Über die Zusage des Oberbürgermeisters, das beliebte Theater doch nicht zu fusionieren, ist die Leitung der Musikalischen Komödie sehr froh. „Niveauvolles Musical und anspruchsvolle Operetten, wie wir sie anbieten, können nur mit einem richtigen Orchester, Chor und Ballett angeboten werden“, sagt Torsten Rose, der künstlerische Produktionsleiter.

Das 45-köpfige Orchester sei ein wichtiger Qualitätsunterschied zu Musical-Produktionen, wie sie tagtäglich durch Deutschland touren. Deswegen werden die „MuKo“-Produktionen regelmäßig selbst zu Tourneen und Gastspielen eingeladen; in die Kölner Philharmonie, nach Essen, Coesfeld und Berlin. Zu sehen gibt es dort wie auf der Leipziger Heimatbühne Erfolgsproduktionen wie „Jekyll&Hyde“ oder „My fair lady“. Das neue Musical „Der Graf von Monte Christo“ soll sich in die Liste beliebter Inszenierungen aus Leipzig einreihen.

Für die deutsche Erstaufführung des bekannten Romanstoffs von Alexandre Dumas in der Musicalfassung von Frank Wildhorn holten sich die MuKo-Macher altbekannte Gäste ins Boot: Musical-Sänger und Hauptdarsteller Marc Clear und der Berliner Regisseur Cusch Jung machten in Leipzig bereits das Stück „Jekyll&Hyde“ zu einem gefeierten Erfolg. Ab Samstag ist Clear 22 Mal in dieser Spielzeit als verratener Seefahrer Dantès und späterer Graf von Monte Christo zu sehen, der um Gerechtigkeit und seine große Liebe (Marysol Ximénez-Carrillo) kämpft. In opulenten Kostümen, mit echten Degen und einem durchdachten Licht- und Schattenspiel will die Inszenierung sein Publikum begeistern.

Nicht nur Produktionsleiter Rose hofft, dass es nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen ein Happy End gibt. Stadtsprecher Matthias Hasberg kündigte die Entscheidung des Rates für März an. Bei einem Ja der Politik will die MuKo „auf der Euphoriewelle schwimmen und das nächste Problem anpacken“, sagt Rose. Denn das 100 Jahre alte Operettentheater ist sanierungsbedürftig. Erst im Sommer 2011 bekam die Musikalische Komödie eine Notfinanzspritze von 270 000 Euro für Sicherheitsmaßnahmen und neue Toiletten.

© OAZ-Online, 03.02.2012, 21:06 Uhr
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