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Anleitung zum Runterkommen: Silke Burmesters "Beruhigt Euch!"
Leipzig. Die Absicht ist klar: Titel und Optik imitieren Stéphane Hessels Protest-Schriften „Empört Euch!“ und „Engagiert Euch!“, die im vergangenen Jahr im Ullstein Verlag erschienen sind. Dennoch ist Silke Burmesters Friedensangebot „Beruhigt Euch!“, das am Donnerstag in den Handel kommt, keine Antwort auf Hessel, sondern eine raffiniert aufgemachte Polemik gegen Hysterie im Alltag, verfasst im ironischen Kolumnen-Tonfall. „Das Gute an 9/11 ist, dass die Anschläge von Menschen einer muslimischen Glaubensgemeinschaft verübt wurden. Die kann man so gut erkennen“, schreibt sie und rät zum freundlichen Blick auf all jene, „die komisch aussehen“.
„Es ist doch eigentlich alles schon anstrengend genug“, findet Burmester, wegen der Überforderungen und Verwirrungen nämlich durch immer mehr Warnungen, Gebote und „Must-haves“, wie jene sie nennen, die sie zu brauchen meinen. Was das Fass zum Überlaufen bringt, ist der mediale Umgang mit Keimen, Viren, Schneeflocken, Eurokrise, Bombenlegern ... Damit werde vor allem die Ohnmacht vermittelt, „der sich der Zivilisationsmensch ausgeliefert fühlt“.
Und der Druck wächst: Es muss das Böse bekämpft und Privates getwittert werden, Kinder sollten hochbegabt, Körper und Sex ideal sein, die Schweinegrippe wird durchs globale Dorf getrieben und wegen einer Märchenhochzeit die Zeit angehalten. Aus Mücken werden Elefanten gemacht, „die jeden Impuls zertrampeln, sich von vermeintlichen Bedrohungen oder Katastrophen abzugrenzen“.
Dagegen setzt Burmester ihre Beruhigungen. Sie erinnert daran, dass der Winter stets 89 Tage zählt und wie eh und je mit Schnee verbunden ist. Oder dass Vulkane eben mal ausbrechen können. Wie wäre es, sich darüber zu freuen, dass „auf dieser Welt wenigstens noch irgendetwas stimmt“? Sogar ein Leben ohne iPad ist möglich. So schickt die Autorin die Dinge dorthin, wo sie hingehören: „auf Abstand, in den Bereich rationaler Einordnung“. Keine Panik also. Bis zum nächsten Killervirus ...
Silke Burmester: Beruhigt Euch! Verlag Kiepenheuer & Witsch; 32 Seiten, 3,99 Euro
„Es ist doch eigentlich alles schon anstrengend genug“, findet Burmester, wegen der Überforderungen und Verwirrungen nämlich durch immer mehr Warnungen, Gebote und „Must-haves“, wie jene sie nennen, die sie zu brauchen meinen. Was das Fass zum Überlaufen bringt, ist der mediale Umgang mit Keimen, Viren, Schneeflocken, Eurokrise, Bombenlegern ... Damit werde vor allem die Ohnmacht vermittelt, „der sich der Zivilisationsmensch ausgeliefert fühlt“.
Und der Druck wächst: Es muss das Böse bekämpft und Privates getwittert werden, Kinder sollten hochbegabt, Körper und Sex ideal sein, die Schweinegrippe wird durchs globale Dorf getrieben und wegen einer Märchenhochzeit die Zeit angehalten. Aus Mücken werden Elefanten gemacht, „die jeden Impuls zertrampeln, sich von vermeintlichen Bedrohungen oder Katastrophen abzugrenzen“.
Dagegen setzt Burmester ihre Beruhigungen. Sie erinnert daran, dass der Winter stets 89 Tage zählt und wie eh und je mit Schnee verbunden ist. Oder dass Vulkane eben mal ausbrechen können. Wie wäre es, sich darüber zu freuen, dass „auf dieser Welt wenigstens noch irgendetwas stimmt“? Sogar ein Leben ohne iPad ist möglich. So schickt die Autorin die Dinge dorthin, wo sie hingehören: „auf Abstand, in den Bereich rationaler Einordnung“. Keine Panik also. Bis zum nächsten Killervirus ...
Silke Burmester: Beruhigt Euch! Verlag Kiepenheuer & Witsch; 32 Seiten, 3,99 Euro
© OAZ-Online, 15.02.2012, 15:40 Uhr
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