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Bildung

Leipzig braucht 4000 Grundschulplätze - Stadt stellt neue Standorte vor

Evelyn ter Vehn

  • Plagwitz ist attraktiv für junge Familien: Auf dem Jahrtausendfeld soll ein Bildungscampus entstehen.
    Foto: Quelle Stadt Leipzig
    Plagwitz ist attraktiv für junge Familien: Auf dem Jahrtausendfeld soll ein Bildungscampus entstehen.
Leipzig. Die Rechnung ist einfach: 299 Kinder wurden 2011 in Leipzig mehr geboren als im Vorjahr. 2017 füllen die Kleinen elf zusätzliche Grundschulklassen, einige Jahre später lernen sie in fünf bis sechs Klassen an Mittelschulen und Gymnasien. Die Folgen sind gewaltig: Eine "demografische Welle" rollt auf die Schulnetzplaner in den nächsten zehn Jahren zu. 30 Millionen Euro pro Jahr seien nötig, um neue Schulen zu bauen und alte zu beleben, sagte Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) am Freitag. In diesem Jahr sind die Mittel gerade so gesichert.

Fabian und Jugendamtsleiter Siegfried Haller stellten der Öffentlichkeit die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans 2012 vor, der einen Blick auf den Bedarf an Schulplätzen wirft. 4000 neue Grundschulplätze werden in Leipzig gebraucht, sieben neue Mittelschulstandorte sind geplant und fünf neue Gymnasien sollen entstehen.


Besonders die zentrumsnahen Stadtbezirke wachsen. Plagwitz legt eine rasante Entwicklung vor, entwickelt sich zum Trendviertel für junge Familien und Studenten. "Mann kann auch von Gentrifizierung reden", sagt Haller. Hier soll auf dem Jahrtausendfeld der "Bildungscampus Plagwitz" entstehen, mindestens mit einer Grundschule und einem Gymnasium. Auch die Viertel entlang des Auenwalds vorn Nord nach Süd legen zu: "Da haben wir in manchen Vierteln eine Verdreifachung der Kinderzahl", sagte Haller.

76 Grundschulen gibt es derzeit in Leipzig, 66 davon in öffentlicher Trägerschaft. Damit alle Schulen ausgelastet werden, will man "straßenseitenweise" die Grundschulbezirke anpassen. Das wird nicht reichen: An neun Standorten müssen Grundschulen neu gebaut oder vorhandene Schulen erweitert werden.

So will die Stadt das Grundschulnetz ausbauen:


  • Auf dem Gelände an der Telemannstraße soll eine Grundschule gebaut werden.
    Foto: Regina Katzer
    Auf dem Gelände an der Telemannstraße soll eine Grundschule gebaut werden.
Stadtbezirk Mitte
+ Die Grundschule 5, Containerschule im Waldstraßenviertel, soll umziehen in das Schulgebäude in der Max-Planck-Straße. Die Sportmittelschule, die dort untergebracht ist, bekommt einen Neubau.
+ Die Pablo-Neruda-Schule, Straße des 18. Oktober, bekommt einen Ersatzneubau bis 2013 (Bau begonnen). Das jetzige Gebäude bleibt Grundschule.
+ Schulneubau am ehemaligen Schulstandort Telemannstraße bis 2015.

Stadtbezirk Nord
+ Ersatzneubau für die Erich-Kästner-Schule, Erfurter Straße, bis 2013 (Bau begonnen). Das jetzige Gebäude bleibt Grundschule.

Stadtbezirk Süd
+ Ersatzneubau für die 3. Schule, Bernhard-Göring-Straße, (wird vorbereitet). Das jetzige Gebäude bleibt Grundschule und wird saniert.

Stadtbezirk West - Plagwitz
+ Neubau einer Grundschule auf dem zukünftigen " ".

Auch in anderen Bezirken müssen die Planer handeln. So sollen in Grünau Gebäude der ehemaligen Ratzelschule "An der Kotsche" saniert werden, um hier einen zentralen Grundschulstandort zu schaffen. Bis 2015 soll dort eine gute Lösung zur Verfügung stehen. In Probstheida wird es nach 2014 einen Ersatzbau für die 31. Schule geben, die jetzt in einem Provisorium in der Franzosenallee untergebracht ist. In Wahren soll nach 2015 die ehemalige 58. Schule im Opferweg wieder zu einem modernen Ort des Lernens werden.

Stillgelegte Schulen wiederbeleben


Aufgegebene Schulen zu reaktivieren ist für die Stadt teuer: "Fünf bis acht Millionen Euro sind pro Gebäude nötig", überschlägt Haller. Trotzdem hat für ihn die Wiederbelebung alter Schulgebäude Vorrang, "schon weil Leipzig so viele attraktive Bauten hat, die erhalten werden sollten". Kritiker, die der Stadt vorhalten, zu spät auf den Kindersegen zu reagieren, hält Sozialbürgermeister Fabian entgegen: "Jede Bevölkerungsschätzung der vergangenen Jahre hat das Wachstum in Leipzig unterschätzt."

Die Probleme werden weiter wachsen, denn "die Schulentwicklung hat immer etwas mit Haushaltsplanung zu tun", sagt Fabian. In diesem Jahr sieht der Plan 29 Millionen Euro für diesen Bereich vor. Der geplante Fördermittelanteil beträgt rund zwölf Millionen Euro. "Das ist ungewöhnlich hoch, weil hier noch Mittel aus dem Konjunkturpaket II reinfließen", erklärt Haller. Für die Zukunft rechnen die Experten mit deutlich weniger Zuschüssen, auch vom Freistaat. Wie die Schulsanierungen und -neubauten dann finanziert werden sollen, ist noch unklar.

Der neue Schulentwicklungsplan wird nun in den Fachausschüssen des Stadtrats, den Stadtbezirksbeiräten und den Ortschaftsräten diskutiert, bevor im März der Rat darüber entscheiden soll.

© OAZ-Online, 03.02.2012, 18:39 Uhr
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